Druckvoller Gitarren-Sound

AmpGerade im härteren Rock oder Metal klingen die Gitarren vieler Bands auf den Alben sehr voluminös und druckvoll. Dies wird natürlich zum einen durch das Kombinieren von mehreren Mikrofonen bei der Aufnahme, vor allem aber auch durch das Doppeln und mehrfache Einspielen der Gitarrenspuren erzeugt.

Auch viele Solos bekannter Bands sind gedoppelt, also mehrfach eingespielt.

Livesound

Doch wie soll man dies live auf einer Bühne umsetzen? Gerade bei Bands mit nur einem Gitarristen ist die Rhythmusgitarre nicht so druckvoll wie bei der Aufnahme. Und wenn der einzige Gitarrist der Band zum Solo ansetzt fällt auch noch die noch weg. Das kann einen druckvollen Song ganz schön ausbremsen.

Amps

Eine Möglichkeit ist es, mehrere Amps zu verwenden und deren Signale zu mischen. Oder man nutzt ein Wet/Dry System, bei dem Effekte von einem Verstärker, und das unbearbeitete Signal von einem Zweiten Verstärker wiedergegeben werden. Stevie Ray Vaughan oder Joe Bonamassa hatten immer mehrere Verstärker auf der Bühne, die parallel betrieben wurden. Allerdings ist dies zum einen eine Kostenfrage, zum anderen müsste man zu jedem Auftritt mehrere Amps schleppen und hoffen, dass der Toningenieur beide Amps abnimmt und das Signal entsprechend den eigenen Vorstellungen mischt. Aber es gibt auch noch einfachere Lösungen.

Chrorus

In den 80ern wurde oft das Chorus-Pedal dafür eingesetzt. Wenn man einen verzerrten Gitarrensound mit einem dezent eingestellten Chorus anreichert, klingt die Gitarre druckvoller und nimmt mehr Raum ein. Von Mötley Crüe bis Pantera haben das sehr viele gemacht. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist Zakk Wylde. Er ist so konsequent, dass er den Chorus gar nicht auf seinem Pedalboard hat, sondern direkt vor seinem Verstärker, da er ihn ohnehin nie ausschaltet. Und wenn man mal ein Zakk-Wylde-Riff nachgespielt hat, merkt man, dass man mit Verzerrung, einem Wah und etwas Chorus dem Orignalsound schon sehr nahe kommt.

TC Electronic Mimiq

Allerdings mag nicht jeder den breiten und etwas eiernden Sound eines verzerren Chorus. TC Electronic hat hierfür kürzlich den Mimiq entwickelt. Er fügt dem gespielten Signal eine zweite und sogar eine dritte virtuelle Gitarre hinzu. Mittels des Tightness- Potis kann man justieren, wie genau die weiteren Gitarren gespielt werden sollen (also wie viele Biere die virtuellen Gitarristen getrunken haben).

Automatic Double Tracking

Das Strymon Deco und das Keeley 30ms haben einen etwas anderen Ansatz als die beiden zuvor genannten Methoden. Beide emulieren das ADT (Automatic Double Tracking) alter Bandmaschinen. Dies ist ein Trick, der bereits in den 60ern beim Aufnehmen auf Tonbänder eingesetzt wurde. Die Tonbandspur wurde auf zwei Bänder dupliziert und parallel wieder zusammengemischt. Durch Gleichlaufschwankungen der beiden Tonbänder ergab sich eine Art Chorus/Flanger der das Ergebnis ebenfalls voller und dynamischer erscheinen ließ. Dies kann nun mit dem Deco und dem 30ms im praktischen Pedalformat nachempfunden werden.

Mit diesen Tricks kann man den Gitarrensound sehr viel voller gestalten und muss weder einen zweiten Gitarristen rekrutieren noch die Lautstärke der Gitarre erhöhen.

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