Effektreihenfolge

PedalboardWenn man ein komplexes Effektboard zusammenstellt, kommt oft die Frage auf, in welcher Reihenfolge die Effekte angeordnet werde sollten. Dieses Thema ist komplexer als man zunächst denkt. Hierfür gibt es einige Regeln – und einige Ausnahmen.

Stimmgerät

An erster Stelle wird oft das Stimmgerät platziert. Dies hat den Vorteil, dass man seine Modulationseffekte nicht ausschalten muss, um präzise zu stimmen. Das Stimmgerät kann jedoch auch in einem hierfür vorgesehenen Ausgang des Volumepedals oder eines Loopers angeschlossen werden. Dadurch wird es komplett aus der Signalkette genommen und kann dauerhaft angeschaltet bleiben. Außerdem verändert es auf diese Weise durch seinen eingebauten Buffer nicht den Klang.

Envelope / dynamische Effekte

Weit vorne in der Effektkette sollten außerdem dynamische Effekte, wie zum Beispiel das Wahwah oder Autowah platziert werden. Im Fall des Autowahs (das Envelope, welches durch die Anschlagsstärke der Saite gesteuert wird) kann das Pedal durch das direkte Signal genauer reagieren.

Das Wah wird ebenfalls früh in der Effektkette zu finden sein – manchmal vor, manchmal nach einem Fuzz.

Verzerrer

Der Verzerrer wird ebenfalls meist am Anfang der Effektkette platziert. Hier reagiert er ebenfalls am dynamischsten. Bei Verzerrern, die einen Amp nachbilden, macht es jedoch auch Sinn, sie weiter hinten zu platzieren.

Booster oder lowgain Verzerrer können auch gerne hinter einem Delay platziert werden. Dadurch kann der Sound eines alten Banddelays oder Analogdelays nachgebildet werden.

Kompressor

Der Kompressor wird oft vor den Verzerrern eingesetzt. Hierdurch erhält man einen schönen, komprimierten Overdrivesound. Allerdings lässt sich die Verzerrung nachfolgender Overdrives nicht mehr so schön per Anschlag steuern. Ich würde den Kompressor daher immer nach den Verzerrern platzieren. Wenn man ihn moderat einstellt, wird der Sound dadurch verdichtet und es klingt etwas mehr nach einem verzerrten Amp.

Volumepedal

Wird das Volumepedal am Anfang der Effektkette gewählt, funktioniert es wie ein Volumeregler der Gitarre. Auf diese Weise kann die Lautstärke zurückgenommen werden und der Grad der Verzerrung vom Overdrive-/Distortion- Pedal gesteuert werden.

Wird das Volumepedal nach den Verzerrern genutzt, bleibt die Verzerrung beim Zurücknehmen konstant – es ändert sich lediglich die Lautstärke. Delaywiederholungen oder Hallfahnen werden nicht abgeschnitten, wenn sich das Volumepdal vor diesen Effekten befindet.

Modulationseffekte

Hier gibt es viele Möglichkeiten. Zu den Modulationseffekten gehören Chorus, Flanger, Phaser, Uni-Vibe und Tremolo. Den Unterschied zwischen den einzelnen Modulationseffekten erkläre ich hier. Meist werden diese Effekte zwischen Verzerrern und Delay/Reverb geschaltet. Man kann die Modulationseffekte sowohl vor, als auch nach den Verzerrern platzieren. Das Uni-Vibe klingt meiner Meinung nach zum Beispiel vor einem Verzerrer viel besser.

Für das Tremolo gibt es ebenfalls mehrere Möglichkeiten. Oft wird es als letztes Effektpedal vor dem Delay und dem Reverb platziert. Hinter dem Delay und gegebenenfalls sogar hinter dem Reverb kann es jedoch in Verbindung mit dem Delay sehr schöne, rhythmische Modulationen erzeugen. In alten blackface oder silverface Fender Amps waren Reverb und Tremolo integriert. Hier befindet sich das Tremolo ebenfalls hinter dem Reverb und erzeugt dadurch dreidimensionale Schwingungen.

Delay und Reverb

Delay und Reverb-Effekte befinden sich meist weit hinten in der Effektkette. Wenn sie Stereo Ausgänge haben, ist es interessant, sie mit zwei Amps auszuprobieren. Es spricht aber auch nichts dagegen, ein Reverb vor einem Delay zu benutzen. Gerade wenn man Ambientsounds erzeugen möchte, können sie auf diese Art sehr schön „verwaschen“ klingen.

Fazit

Wie man sieht, gibt es viele Möglichkeiten. Und eine feste Regel für die Effektreihenfolge gibt es nicht. Hier lohnt es sich, etwas auszuprobieren. Vielleicht wurden deshalb Looper entwickelt, mit denen sich die Effektreihenfolge wechseln lässt. Dies kann zum Beispiel der Gigrig G2 Looper.

Und genauso spannend wie das Experimentieren mit einem Effektgerät ist auch das Herumprobieren mit der Reihenfolge. Sicherlich kommt es immer darauf an, welchen Sound man erhalten möchte. So wird man bei einem Coversong von Jimi Hendrix sicher eine bestimmte Reihenfolge und Effektwahl berücksichtigen. In einer Shoegaze Band wiederum eine ganz andere.

 

Einen Überblick über die Geschichte von Gitarreneffekten findest du hier.

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