Klon Centaur Clone

Klingen sie identisch? Welcher kommt dem Original am nächsten?

Klon CentaurDie Preise für einen original „Klon Centaur“ steigen immer weiter. Neulich habe ich einen goldenen Klon auf der italienischen ebay-Seite für 2100,- zum Sofortkauf gesehen. Wohl gemerkt in gebrauchtem Zustand und ohne original Verpackung.

Wenn man bedenkt, dass man für diesen Preis schon einen Boutique Röhrenverstärker bekommen kann, stellt sich die Frage nach einer günstigeren aber klanglich identischen Alternative.

Aber klingt ein Klon Centaur Clone (also ein schaltungstechnisch identisches Pedal) genauso? Hierfür möchte ich ganz kurz auf die Schaltung und die Besonderheit des Klon eingehen:

Der Verzerrer arbeitet intern, im Gegensatz zu den meisten anderen Pedalen, mit 18V im Gegensatz zum sonstigen 9V Standard. Das Signal wird, wie bei Distortion Pedalen mit einem Hardclipping begrenzt. Das unverzerrte Signal wird hinzugemischt.

Die Schaltung ist kein Geheimnis (mehr) und im Internet sind zahlreiche Schaltpläne zu finden. Warum könnte also ein Nachbau anders klingen? Oder anders gesagt: Warum wird so vielen Klon clonen nachgesagt, anders zu klingen, als das Original?

Eine kurze Analyse

Nun, die Schaltung verfügt über 29 Widerstände + 3 Potis und 22 Kondensatoren. Wenn man bedenkt, dass die Widerstände 1% Toleranz haben, klingt dies erstmal sehr gering. Wenn allerdings jeder der 29 Widerstände 1% abweicht, kann sich das schon auswirken. Noch extremer wird es bei den Kondensatoren: 11 davon sind Folienkondensatoren und können eine Toleranz von 10% aufweisen und die restlichen 11 sind Panasonic Elkos mit einer Toleranz von 20%. Und das ist schon enorm.

Es ist also nicht nur so, dass Nachbauten anders klingen, als ein original Klon Centaur, sondern auch, dass kein original Klon klingt, wie ein anderer! Es gibt also den „Klon Centaur“ Sound gar nicht. Sicherlich bewirken die Abweichungen nicht, dass einer so klingt, wie ein Boss Metalzone und der andere wie ein Tubescreamer. Aber die Frequenzen können sich verschieben.

Und dies gilt im Prinzip nicht nur für den Klon, sondern auch für jeden anderen Verzerrer. Auf der Tubescreamer-Seite von Analogman werden verschiedene, alte TS-808 aufgeführt. Hinter der Nummer 37 steht „killer Tone“.

Der Perfekte Klon Centaur Clone

Wenn man also einen exakten Nachbau eines einzelnen Klon Centaur herstellen wollen würde, müsste man ihn zunächst auseinanderbauen, um die einzelnen Bauteile durchzumessen. Anschließend müsste man aus einer größeren Auswahl von Bauteilen, einzelne selektieren, oder bei Wiederständen durch Trim-Potis ersetzen.

Ob sich dies jedoch preislich rentieren würde, möchte ich bezweifeln. So müssen wir wohl erstmal damit leben, dass der Nachbau nicht genau so klingt, wie das Original. Aber auch damit, dass ein Original nicht klingt, wie das andere …

Weiter geht es im zweiten Teil.

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