Analog Delay Sound

Analog Delay ist nicht gleich Analog Delay. Es gibt mittlerweile so viele unterschiedliche Pedale, dass man gar nicht mehr von DEM Analog-Delay-Sound sprechen kann.

Technologie

Spricht ein Gitarrist von einem Analog Delay, so meint er meistens ein BBD (Bucket-Brigade Device) basiertes Delay Pedal. Rein technisch gesehen, ist ein Tape Delay oder ein Oil Can Delay aber ebenfalls analog. Und eigentlich handelt es sich bei einem BBD um einen analog/digital Hybriden, da der Chip das Signal diskret zeitbasiert sampelt.
Der Unterschied zwischen diskretem Zeit-Sampling und digitalem Sampling besteht darin, dass diskrete Zeit nur zeitlich quantisiert wird, während digitales Sampling sowohl zeitlich als auch in der Amplitude quantisiert wird.
Um den technischen Aspekt so einfach und verständlich wie möglich zu halten, möchte ich hier kurz die Funktion des analogen BBD Delays erklären: Der sogenannte Eimerkettenspeicher (BBD) leitet die Spannung von einer Transistor-/Kondensator-Zelle zur nächsten. Dies funktioniert wie eine Eimerkette. Und genau wie bei dieser gibt es beim Weitergeben jeweils einen geringen Verlust. Dadurch verändert sich das Signal je weiter es transportiert also wiederholt wird.

Der Klang

In den Anfängen war der Sound eines analogen Delays meist sehr dumpf, leicht verwaschen und aufgrund der Schaltung betrug die maximale Delayzeit nicht mehr als 300 bis 450 mS. Der Headroom vieler Delay Pedale war begrenzt und so haben die Pedale bereits selbst eine leichte Verzerrung erzeugt.
Aber gerade dies macht den Reiz eines analogen Delay aus, da sich das Signal immer sehr gut in den Gesamtsound einfügt und mit der Gitarre verschmilzt.
Heute gibt es zahlreiche Analog Delays mit höhenreichen und perkussiven Repeats, die eine maximale Delayzeit von 1,2 Sekunden erreichen. Wenn man etwas Rauschen und einen Lo-Fi Sound in Kauf nimmt, sogar bis zu 4 Sekunden!
Das Moog Moogerfooger-104M SD hat in seinem Short Setting einen so klaren Klang, dass es sogar eher an ein gutes Digital Delay erinnert.

Modulation

Durch minimale Schwankungen der Delayzeit können viele analoge Delays Modulation erzeugen. Dies funktioniert wie bei einem Chorus Pedal. Was einleuchtet, wenn man bedenkt, dass ein Chorus ist im Grunde ebenfalls ein Delay, mit einer sehr kurzen Delayzeit und Modulation ist.
Wird die Modulation stärker eingestellt, so ergeben sich aufgrund der größeren Zeitverschiebungen Pitch Effekte. Hat ein analoges Delay keine Modulation, so kann man diesen Effekt erzeugen, indem man den Time Regler leicht hin und her bewegt, während man spielt. Nichts anderes bewirkt die Modulation des Pedals.

Oszillation

Ein weiteres Schmankerl eines analogen Delay ist die Oszillation. Dreht man die Repeats ganz auf, so schaukelt sich das Signal auf, bis es verzerrt. Dieser Sound kann als Hintergrundfläche oder abgefahrenes Soundelement genutzt werden.

Fazit

DEN Analog Delay Sound gibt nicht, da die Technik nicht mehr so eingeschränkt ist, wie in ihren Anfängen. Trotzdem gehört der unperfekte und schmutzig-dunkle Sound eines alten Analog Delays immer noch zu den Beliebtesten.