Gitarrenhölzer

Fender JaguarMaple oder Rosewood Griffbrett?
Mahagoni, Erle oder Esche Korpus?
Wo liegt da der klangliche Unterschied und wie stark wirkt er sich überhaupt auf den Gesamtklang aus?

Ahorn vs. Rosewood Hals

Der Klangunterschied der Halsmaterialien ist schwer zu beschreiben, da viele zusätzliche Aspekte nicht ausgeklammert werden können.
Zunächst wären da die Spielweise, das verwendete Plektrum, das Saitenmaterial und natürlich die Bundstäbchen.
Diese Faktoren haben starken Einfluss auf die Klangentfaltung.
Und natürlich unterscheidet sich auch das Holz von Baum zu Baum.
Jeder Ahornhals aus einer anderen Charge klingt demnach etwas anders.

Pauschal könnte man sagen, dass Ahorn etwas perkussiver und filigraner klingt, während Rosewood etwas voller und runder klingt.

Korpusmaterial

Beim Korpusmaterial wird es noch schwieriger einzugrenzen.
Ein Gitarrenbauer sagte mir mal, dass 90% des Klangs aus dem Hals und lediglich 10% aus dem Korpus kommen.
Wenn man dann noch die Klangunterschiede je Holzstück in Betracht zieht, so kann man eigentlich bezüglich des Korpusmaterials gar keine Klangbeschreibung vornehmen.

Darüber hinaus ergeben sich auch noch Unterschiede aus der Holzqualität.
Zwar werden sowohl Gibson Gitarren aus dem Custom Shop als auch günstige chinesische Kopien aus Mahagoni hergestellt.
Bei dem Holz aus dem Custom Shop handelt es sich jedoch um ausgewählte Hölzer, die lange gelagert wurden und im Idealfall aufgrund ihrer Klangeigenschaften ausgewählt wurden.
Bei günstigen, asiatischen Kopien der amerikanischen Klassiker wird eher günstiges Holz verwendet, das oft mehrfach zusammengeleimt wurde.

Sicherlich können beide Anbieter damit werben, dass sie Mahagoni verwenden.
Klanglich liegen dazwischen jedoch Welten.

Am ehesten ließe sich hier noch eine Auswirkung auf das Sustain – also die Länge des Schwingungsverhaltens – aufgrund des Korpusmaterials ausmachen.
So wird Mahagoni ein besonders langes Sustain zugeschrieben.
Durch eine Ahorndecke wird der Anschlag etwas knackiger.

Da die meisten Mahagoni Gitarren jedoch einen eingeleimten Hals statt eines Schraubhalses haben, ist fraglich, ob dieses Sustain wirklich nur auf das Holz zurückzuführen ist, oder aufgrund der Befestigung erfolgt.

Pickups, Potis und Verkabelung

Und schließlich muss der Klang der Hölzer noch elektrisch von den Pickups abgenommen werden, durch die Verkabelung und die Potis und schließlich durch etliche Effekte bis zum Verstärker.
Hier wird der Klang weiter verfälscht beziehungsweise beeinflusst.
Bei der Auswahl der Gitarre sollte man – zumindest bei E-Gitarren – also weniger auf den trocken gespielten Klang vertrauen, sondern das Instrument im Kontext also an seinem Verstärker und am Besten in seinem Proberaum oder gewohnten Umfeld testen.

Denn was nützt ein klanglich guter Hals/Korpus, wenn man anschließend durch zahlreiche Modifikationen die Gitarre für sein persönliches Setup optimieren muss?

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