Kingsley Page V2 Review

Kingsley Page V2Der „Kingsley Page V2 Tube Boost“ ist ein Röhrenbooster und Overdrive Pedal mit einer echten 12AX7 Röhre.

Konstruktion

Das Pedal kommt in einem kompakten und sehr stabilen Gehäuse daher und verfügt über eine True Bypass Schaltung.
Es ist von Hand gefertigt und die Verarbeitungsqualität ist hervorragend.
Wie bei einem Vintage-Röhrenamp wurde ein Großteil der Schaltung „point to point“ auf Lötleisten aufgebaut.

Betrieben wird der Booster mit einem 9V Netzteil mit mindestens 500mA.
Intern wird die Spannung auf Amp-typische 250V und 6,3V Heizspannung transformiert.
Sowohl der Netzteilanschluss als auch Input und Output befinden sich auf der Stirnseite des Pedals.

Neben den Reglern für Volume, Gain und Tone verfügt der Page V2 über einen Schalter, mit dem man die Bässe etwas kappen kann und einen weiteren, um die Höhen zu reduzieren.

Sound

Mit leicht aufgedrehtem Gain-Regler und weit aufgedrehtem Volume-Regler liefert das Pedal einen schönen Boost, der den nachfolgenden Amp zum Zerren bringen kann.
Das Pedal selbst ist dabei klangneutral.
Auch mit nur leichtem Volumeboost eignet es sich hervorragend als Klangerfrischer, da es das Gitarrensignal wie durch eine Lupe gesehen deutlicher zeichnet.

Dreht man nun das Gain weiter auf, gelangt man in eine leichte Zerre beziehungsweise Röhrensättigung, die kein Transistor-basiertes Pedal auf diese Weise nachbilden kann.

Mit Hilfe des Tone-Potis lassen sich (gegen den Uhrzeigersinn gedreht) die Höhen zähmen.
Gleichzeitig arbeitet er sehr schön mit dem Heights-Schalter zusammen, sodass man ein sehr weites Klangspektrum abdecken kann, ohne den Sound zu verformen.

Der Übergang vom cleanen zum angezerrten Signal lässt sich sehr schön per Saitenanschlag steuern. Besonders mit P90 Pickups ist die Dynamik beeindruckend.

Wer immer noch auf der Suche nach einem transparenten Low-Gain Overdrive Pedal ist kommt an diesem Pedal nicht vorbei.

Der Page V2 als Booster

Nutzt man den Page V2 als Booster und mit viel Gain, kann man mit Hilfe des Lows-Schalters die Bässe etwas kappen, um ein Matschen des Amps zu vermeiden.
Bei geringerem Gain belässt man den Lows-Schalter in seiner Ausgangsstellung, um ein möglichst unverfälschtes Klangbild zu erhalten.

Selbst mit weiter aufgedrehtem Tone-Regler und unbeschnittenen Höhen klingt das Pedal nicht harsch, wie es bei Transistor Verzerrern in dieser Einstellung schon mal der Fall sein kann.

Sowohl vom Spielgefühl, als auch vom Klang hat man nie das Gefühl ein Pedal zu spielen, der Page V2 verhält sich stattdessen wie ein guter Röhren Amp.
Und das ist er ja auch – er ergänzt den verwendeten Röhrenverstärker um eine weitere Vorstufe.
Wie eine Amp-Vorstufe lässt sich der Kingsley Page V2 ebenfalls mit anderen Boostern oder Overdrive Pedalen anpusten, um mehr Gain herauszukitzeln.

Der Kingsley Page V2 ist auch eine ideale Ergänzung für ein Tape Echo emulierendes Delay, da er dem Delay die digitale Schärfe nimmt und eine schöne, harmonische Sättigung hinzufügt.

Sicherlich ist die Wartezeit von über einem Jahr abschreckend, aber es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Pedal einmal auszuprobieren.

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