Reverse Delays

Tips & tricksReverse Delays gibt es schon fast so lange, wie es Tonbandaufnahmen gibt. Schon sehr früh experimentierten Künstler wie die Rolling Stones oder Jimi Hendrix damit. Damals passierte das ganze noch recht umständlich, indem sie die aufgenommenen Tonbänder zerschnitten und rückwärts abspielten. Durch rückwärts abgespielte Tonspuren ergeben sich vollkommen neue Sounds, da der Saitenanschlag der Gitarre am Ende des Signals erscheint und die gesamte Gitarrenspur fließender klingt. Sie ist dadurch oft gar nicht mehr als Gitarre zu erkennen.

Reverse Delays heute

Heute können wir dies natürlich sehr viel einfacher digital nachbilden. Soweit ich weiß, gibt es kein analoges Reverse Delay (falls jemand doch eines kennen sollte, kann er/sie mich sehr gerne kontaktieren).
Die digitalen Reverse Delays samplen eine kurze Sequenz und geben diese, wie bei der alten Tonband-Technik, rückwärts wieder. Die Länge der Samples ist dabei meist einstellbar. Dies kann nicht nur bei Solo- oder Gitarrenmelodien eingesetzt werden, sondern kann auch bei Akkorden interessante, flächige Sounds erzeugen.
Einige Delays können das umgedrehte Delay zudem noch transponieren und dadurch zum Beispiel eine Oktave erhöht wiedergeben. Dafür muss ein Reverse Delay nicht unbedingt Tap Tempo haben oder exakt im Songtempo erzeugt werden. Gerade die leichte Verschiebung der umgedrehten Sounds kann unerwartete und melodiöse Sounds erzeugen.

Reverse Delay Pedale

Interessante Delays mit Reverse Funktionen sind zum Beispiel das Montreal Assembly Count To Five, das auch Loops aufnehmen kann, die dann wie bei einem Tonband manipuliert werden.
Auch das neue Strymon Volante kann Reverse Delays im Sound on Sound Modus erzeugen. Diese können sogar mit einem virtuellen Tape Stop angehalten werden. Dies klingt dann so, als würde man ein Tonbandgerät stoppen: Der Ton stoppt und wird nach unten transponiert.
Das Red Panda Tensor kann ebenfalls diese Tape Effekte erzeugen.
Das Electro Harmonix 16 Second Delay bietet ein konstantes Sampling des gespielte Signals. Beim Aktivieren des Pedals kann man diese aufgenommenen, kurzen Soundschnipsel ebenfalls in der Geschwindigkeit verändern.
Ein Reverse Delay ist natürlich auch in jedem Multi Delay Effekt, wie dem Strymon Timeline, Empress Echosystem, Boss DD-500 und Eventide H9 enthalten.

Auch wenn die Funktionsweise meist recht ähnlich ist, so unterscheiden sich die Reverse Delays je nach Hersteller klanglich. Manche haben eher einen abgehackten Reverse Effekt, während andere wirklich fließend erzeugt werden. Je nach Musikstil und Geschmack kann man den gewünschten Sound wählen.
Das Reverse Delay ist in seinem Klang immer noch etwas ganz Besonderes und sollte gewählt eingesetzt werden. Dann kann es aber in jeder Musikrichtung spannende Abwechslung im Sound bieten.

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