Das „first batch“ Problem

Frag den DudeOft wartet man nach den ersten Gerüchten, NAMM News und Testberichten schon sehnsüchtig auf den Tag, an dem das begehrte neue Effektpedal endlich erhältlich ist.
Kann man es gar nicht abwarten, dann ist man versucht, das Pedal schon bevor es in Europa erhältlich ist, aus den USA zu bestellen.
Aber Vorsicht: manchmal ist es aber nicht vorteilhaft, einer der Ersten zu sein.

First batch

Auch wenn die Pedale sorgfältig entwickelt wurden, werden bei der NAMM oft Prototypen vorgestellt.
Diese werden, nach den ersten Rückmeldungen der Tester auch noch das eine oder andere Mal leicht abgeändert, bevor sie in Serie produziert werden.
Diese erste Produktionscharge auch „first batch“ genannt, wird aber oft unter enormen Druck hergestellt, da die Fachwelt und die gierigen Konsumenten es nicht abwarten können, eines der Geräte erwerben zu können.
Und daher ist es nicht selten, dass die Effekte der ersten Charge noch kleine bis große Mängel haben. Diese werden natürlich von den Herstellern nachgebessert, aber als Käufer aus Europa bleibt man dann oft zumindest auf den Versandkosten sitzen.
Es kam auch schon vor, dass die erste Charge eine Fehlfunktion hatte und zurückgerufen wurde.
So war es zum Beispiel bei dem Way Huge Supa Puss.
Als einige Wochen später die optimierte Version produziert und ausgeliefert wurde, stellte sich zwar heraus, dass der Fehler behoben war, allerdings klang das Effektgerät auch ganz anders als zuvor. Einige Käufer der ersten Version stellten dies fest und äußerten in Foren, dass sie eigentlich die besser klingende erste Version – trotz der Fehler- zurückhaben wollten.

Geduld kann sich auszahlen

Es lohnt sich daher manchmal, wenn ein neues Gerät auf den Markt kommt, erstmal abzuwarten.
Dies ist für den GAS-geplagten Gitarristen natürlich nicht immer einfach, aber oft sinnvoll.
Selbst wenn das Effektgerät nicht fehlerhaft ist, kann es nämlich auch vorkommen, dass seitens einiger Käufer der ersten Charge noch Verbesserungsvorschläge gemacht werden, die dann in die 2. Version des Pedals eingebaut werden.
Und diese zweite, verbesserte Version lässt dann auch nicht lange auf sich warten.
Kauft man hier also gleich die erste Version, hat man nach wenigen Wochen bereits das Gefühl, ein „Upgrade“ erwerben oder ein zweites Pedal kaufen zu müssen.
Hat man etwas Geduld und ist bereit auf die neusten Features zu verzichten, kann man vielleicht ein Schnäppchen machen, wenn jemand bei ebay die erste Ausführung günstig verkauft, um sich die zweite Version eines Pedals zu kaufen.

Aber ….

Andererseits kommt es natürlich auch immer wieder vor, dass Bauteile in nur begrenzter Stückzahl verfügbar sind.
Auch wenn die Hersteller vor der Entwicklung eines Pedals natürlich darauf achten, das Gerät in ausreichender Menge produzieren zu können, müssen sie oft – gerade bei großer Nachfrage – während der Produktion Bauteile ändern.
Dies kann zum Beispiel bei seltenen ICs oder Clipping Dioden der Fall sein.
In diesem Fall macht es natürlich Sinn, früh eines der Pedale zu kaufen, bevor in der Schaltung Kompromisse aufgrund der Verfügbarkeiten gemacht werden.
Die ersten Pedale mit den seltenen Bauteilen können dann stark im Preis steigen.
Das beste Beispiel ist hierfür der EHX Deluxe Memory Man TT-1100, der zunächst mit Panasonic MN3005 und anschließend mit Reissue Cool Audio MN3005 gebaut wurde.

Fazit

Man kann also leider nicht immer sagen, dass es klug ist, zu warten oder aber sofort zuzuschlagen. Effektpedale sind dementsprechend nicht nur kleine bunte Treter, die den Sound versüßen, sondern auch eine Art Aktie, deren Wert sich im Laufe aufgrund Verfügbarkeit, Qualität und Hype rasant verändern kann.
Ich denke, für dieses Phänomen gibt es wohl kaum ein besseres Beispiel als den Klon Centaur.