Tips &Tricks: Wireless?

Tips & tricksSelbst auf kleinen Bühnen ist es schön, wenn man keine Stolperfalle in Form von Schlaufenbildenden Kabeln an der Gitarre hat und sich nicht die Kabel aller Musiker zu einem unlösbaren Wust verknoten. Die Alternative zu den üblichen Kabelwegen ist Wireless.
Aber ist diese Form der Signalübertragung für jeden geeignet?
Und welche Nachteile hat es?

Analoge Wireless-Systeme

In den Anfängen des Wireless-Systems waren diese Geräte noch analog. Das führte technisch zwangsläufig dazu, dass das Signal in irgendeiner Art komprimiert werden musste. Und jede Kompression führt natürlich zwangsläufig zu einer Soundveränderung. Der Sound und die Dynamik des Gitarrenspiels und die Reaktion des Amps auf das Volume Poti der Gitarre änderten sich dadurch, dass das Gitarrensignal nicht mehr direkt durch ein Kabel in den Verstärker geführt wurde.

Digitale Technik

Heute sind die Wireless-Systeme digital. Auch dies hat Vor- und Nachteile. Als Gitarrist ist man natürlich gegenüber digitaler Technik erst einmal skeptisch, da das Signal in eine Aneinanderreihung der Ziffern 1 und 0 gewandelt wird. Durch diese A/D Wandler entsteht zwangsläufig eine leichte Latenz. Das Gitarrensignal wird also, bedingt durch die Umwandlung, leicht verzögert wiedergegeben. Diese Latenz ist zwar sehr gering und würde bei einem langen Kabel oder einer weiten Entfernung zum eigenen Amp ebenfalls entstehen, allerdings kann sich dies trotzdem auf das Spielgefühl auswirken (dies ist zum Beispiel ein Grund, aus dem ich nichts von Spiralkabeln halte).

Der Sound

Da ein digitales Wireless-System nahezu klangneutral alle Frequenzen gleichermaßen betont, wirkt es für viele erstmal klanglich „steril“. Dieses Gefühl kommt daher, dass wir den Klang unserer Gitarre meist nur in Verbindung mit einem Kabel gewohnt sind, oft sogar ohne Buffer. Jedes Kabel kappt die Höhen ein wenig und daher sind wir einen wärmeren Klang gewohnt. Im Grunde ist der Klang eines digitalen Wireless-Systems vergleichbar mit dem einer aktiven Gitarre.
Einige Wireless-Systeme haben hierfür aber eine Lösung gefunden und bieten die Möglichkeit, ein virtuelles Kabel in die Übertragung zu integrieren. Kurz: es werden die Höhen leicht beschnitten, wie wir es gewohnt sind.

Fuzz

Schwierig wird es, wenn man ein Fuzz auf dem Effektboard nutzt. Jeder weiß, dass Fuzz-Effekte es nicht mögen, wenn das Gitarrensignal gebuffert wird. Sie klingen am besten, wenn sie am Anfang der Effektkette platziert und mit dem direkten Gitarrensignal gespeist werden. Das digitale Wireless, das sich letztlich wie ein Buffer verhält, lässt ein Fuzz schrill klingen und es wird sehr viel schwieriger, die Verzerrung mit dem Volume Poti oder dem Saitenanschlag zu variieren.

Frequenzen

Im Zeitalter der Funktechnik werden viele Daten digital übertragen. Man sollte sich vor dem Kauf daher gut informieren, welches Gerät manuell anwählbare Frequenzen hat und welches sie sich selbständig sucht.

Übrigens: Wer einmal den Gitarrensound seines Lieblingsgitarristen aufnehmen möchte, muss, wenn dieser ein Wireless nutzt, lediglich einen Empfänger zum Konzert mitnehmen. Wenn man die entsprechende Frequenz einstellt, kann man die Gitarrenspur anhören und mitschneiden.

Wer also kein Fuzz auf dem Pedalboard, einen Buffer direkt als erstes Effektgerät hat und Bewegungsfreiheit wünscht, für den ist ein Wireless gut geeignet.
Gute Geräte sind bereits für wenig Geld von Line6 und XVive erhältlich.

Alle Soundpuristen müssen sich wohl weiter in den Schlaufen des Kabels verheddern und an ihrem Pedalboard angeleint bleiben.

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