Unterschätzte Effektpedale

Tips & tricksEs gibt immer wieder Effektpedale, die den kritischen Anforderungen vieler Gitarristen nicht genügen. Dabei sind es oft Anwendungsfehler bzw. andere Erwartungen, die in meinen Augen zu einer geringen Beliebtheit eines Effektgeräts führen. Hier möchte ich ein paar Beispiele vorstellen.

Chase Bliss Audio

Bezogen auf Chase Bliss Audio trifft dies vor allem für das Gravitas Tremolo und den Spectre Flanger zu.
Beim Spectre wird oft kritisiert, dass das Signal zu schnell verzerrt oder bei clean eingestelltem Sound die Gesamtlautstärke zu leise ist. Ein Blick in das Manual verrät, dass das Pedal für angezerrte Tremolo Sound gedacht ist, da hier sämtliche Beispiele mit dem Gain Regler auf 15.00 angegeben werden. Und das macht auch Sinn. Das Gravitas liefert eine sehr schöne Verzerrung, die mit einem leichten Tremolo Effekt an kleine Vintage Amps im Supro Style erinnern. Der Vorteil ist, dass man ein Tremolo Pedal meist am Ende der Effektkette nutzt und so mit dem Gravitas noch eine weitere Gainstufe zur Verfügung hat, die sich auch sehr gut mit vorgeschalteten Boostern oder Verzerrern verträgt. Durch das Tone Poti kann der Sound des Overdrives perfekt abgestimmt werden.
Und mal ehrlich: cleane Tremolo Pedale gibt es doch bereits wie Sand am Meer, da ist dieser Charakterbursche mehr als willkommen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Spectre. Dieses einzigartige Pedal ist ein analoger Thru Zero Flanger, was technisch brilliant, bekanntermaßen nicht gerade rauscharm ist.
Aber auch hier muss auf den Anwendungsbereich geschaut werden. Viele Gitarristen nutzen Modulationseffekte, um ihren Cleansound zu verschönern. Der Spectre ist meiner Meinung nach für angezerrte bis verzerrte Sounds ideal. Hier gibt er der Gitarre eine gewisse Breite und leichte Bewegung, die einfach nur schön klingt.
Das Pedal ist definitiv ein Geheimtipp.

Elektron Analog Drive

Acht analoge Schaltkreise in einem Pedal, inklusive Midi Presets und parametrische Mitten? Das müsste doch der perfekte Allrounder sein, würde er nicht – laut vieler User – stark rauschen. Ich habe den Elektron Analog Drive mal getestet und konnte dieses erhöhte Rauschen nicht feststellen. Auffällig war, dass die Factory Presets alle sehr stark in der Lautstärke geboostet waren (was natürlich im Setup ein Rauschen erhöht). Wichtig ist daher, die Sounds immer mit dem Bypass Signal zu vergleichen. Wenn man hier die Lautstärke anpasst, ist ein Rauschen nicht auffällig wahrnehmbar. Natürlich rauscht ein High Gain Pedal mit voll aufgedrehtem Gain – aber das ist ganz normal und beim Analog Drive nicht anders als bei seinen Konkurrenten. Das Pedal wird günstig gehandelt und könnte für viele Gitarristen das gesuchte, flexible Verzerrer Pedal sein.
Unbedingt mal antesten.

Wampler Tumnus

Der Wampler Tumnus ist bekanntermaßen ein Klon Clone in Mini Format. Oft ist zu lesen, dass er zu viele Bässe hat und dass man besser den neueren Tumnus Deluxe wählen sollte, da dieser mit den Bass, Mids und Treble Regler besser einzustellen ist.
Ich würde den kleinen Tunmus als perfekten Bedroom Klon bezeichnen. Während ein Klon Centaur die Bässe etwas kappt und die Höhen betont, werden die Bässe beim Tumnus erhalten. Ein Klon Centaur ist daher nur in Bühnenlautstärke zu gebrauchen und klingt daheim beim Üben und jammen eher etwas dünn. Hier ist der Tumnus die ideale Wahl, da er quasi im Bedroomlevel so klingt, als würde man einen Klon über einen großen Amp mit 4x12er Box spielen.
Der Tumnus Deluxe hingegen ist ein ganz anderes Pedal. Auch wenn er ebenfalls auf dem Klon basiert, so verändert die Klangregelung den Grundcharakter und die Gainstruktur. Hier hilft auch kein Justieren der drei EQ Regler, er klingt immer mehr nach Overdrive Pedal als nach einem Klon-basiertem Booster.

So, das war erstmal meine Auswahl an unterschätzten Pedalen. Vielleicht war ja eine interessante Anregung für dich dabei und du probiert mal eines der Pedale aus. Oder auch ein anderes Pedal, dass nicht „everybodys darling“ ist. Denn damit kann man einerseits einen individuellen Sound entwickeln und andererseits auch oft noch Geld sparen, denn gehypte Pedale sind oft ziemlich teurer.