Kann die Netzspannung meinen Sound beeinflussen?

Frag den DudeJeder kennt das Phänomen: im Proberaum klang die Gitarre noch unglaublich gut, saß perfekt im Mix und der Amp war perfekt am Sweetspot. Auf der Bühne ist diese Magie plötzlich verschwunden.
Sicherlich kommen hier viele Parameter zusammen, die den Klang verändern. Hautsächlich ist hierfür der andere Raum verantwortlich, der andere Reflektionen produziert.
Aber als weiterer, nicht uninteressanter Aspekt für eine E-Gitarre ist der Strom. Man darf nicht vergessen: Das „E“ steht für elektrisch.

Stromschwankungen

Die Stromschwankungen können je nach Lokation ganz unterschiedlich ausfallen. In Deutschland betrug die Netzspannung bis 1987 220V mit einer Toleranz von 10% und seitdem 230V. In den USA betrug sie 110V und nun 120V. Mit der angegebenen Toleranz kann die deutsche Netzspannung also zwischen 207 und 253V schwanken.

Wenn man nun bedenkt, wie exakt der Bias (also der Ruhestrom eines Röhrenamps) gemessen und eingestellt wird, kann man sich vorstellen, wie groß die klangliche Veränderung ist, wenn aus der Steckdose 50V mehr oder weniger ankommen. Und dementsprechend ist der Bias eigentlich nur für die jeweilige Steckdose eingestellt, an der der Amp eingemessen wurde.

Mit diesem, aufgrund der geänderten Spannung, abweichenden Bias klingt der Amp demensprechend anders. Bei einem heißeren Bias zerrt der Amp schneller und klingt etwas mittiger, bei einem kälteren Bias klingt der Verstärker etwas steriler und cleaner.

Export Modelle

Dies ist auch der Grund, weshalb die Fender Export Amps anders klingen, als die amerikanischen Amps mit vorgeschaltetem Transformator. In den USA wird das Stromnetz mit einer Frequenz von 60Hz, in Europa mit 50Hz betrieben. Diese Frequenz der Polaritätsschaltung wirkt sich ebenfalls auf den Klang aus.

Power Conditioner

Eine Lösung, die kostspielig, aber auf Dauer eventuell interessant wäre, ist ein Power Conditioner. Für die 80er Hair Metal Fraktion: nein, dies ist kein Haarpflegemittel, sondern ein Spannungsstabilisator. Bei diesen Geräten, die zwischen Amp und Steckdose geschaltet werden, kann die gewünschte Ausgangsspannung eingestellt werden, damit der Amp immer gleich klingt.
Wenn der Sound also beim nächsten Auftritt mal nicht so ist, wie erwartet, ist nicht immer der Tontechniker schuld. Es sollte die Spannung am jeweiligen Ort gemessen werden und eventuell könnte man den Bias des Amps nachstellen. Oder man entscheidet sich für den Power Conditioner.

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