Welches Pedal brauche ich: Electro Harmonix Freeze vs. Gamechanger Audio Plus Pedal?

Für Soundscaping und Ambient- Fans sind in den letzten Jahren zwei spannende Pedale auf den Markt gekommen, deren Effekte im Prinzip sehr ähnlich sind. Sowohl das Plus Pedal von Gamechanger Audio als auch das Electro Harmonix Freeze sind sogenannte Sustain-Pedale, die mithilfe eines integrierten Loopers einzelne Noten oder Teile von Akkorden aufnehmen und wiedergeben können.
Im Gegensatz zu Glitch Delays, Loopern oder Stutter Effekten sind die Samples jedoch so kurz, dass sich das Signal so anhört, als würde das Sustain lange gehalten – ähnlich einem Klavier oder Synthesizer.

Wenngleich die Pedale sich, wie bereits erwähnt sehr ähneln, so unterscheiden sie sich doch in einigen Punkten.

Kill Dry

Das Plus Pedal verfügt über einen sogenannten Kill Dry, welcher es ermöglicht, das unbearbeitete Signal stumm zu schalten, während das Freeze das unbearbeitete Signal immer hinzumischt.

Regler

Das Freeze kommt relativ simpel mit einem Regler daher, über welchen sich die Lautstärke des Effektsignals regeln lässt.
Die drei Positionen des Toggle Switch ermöglicht zudem, die Art des Sustains zu bestimmen.
Über die vier Regler des Plus Pedal lässt sich einerseits regeln, wie viel des bearbeiteten Signals zum Gesamtsound hinzugefügt (Blend) und in welcher Geschwindigkeit das Signal eingefadet werden soll (Rise), andererseits ermöglichen die Regler für Sustain und Tail eine genauere Justierung des Ausklangs.
Die Lautstärke des Signals lässt sich außerdem mit Hilfe des Fußpedals regeln: drückt man es nur halb durch, so wird ein leiseres Signal gehalten, drückt man es ganz durch, ist das Signal lauter.
Auf einen Toggle Switch verzichtet das Plus Pedal trotz seiner vier Regler jedoch auch nicht.
Er ermöglicht die Wahl zwischen einem gemischten Dry-/Wet- und dem reinen Wet-Signal.
Ein weiterer Regler lässt zwischen Single und Group Mode wählen. Dieser bestimmt, wie viele Layer gleichzeitig übereinander gelegt werden können.

Ein- und Ausgänge

Auch hier besticht das Freeze durch klare Ansagen: es gibt einen In- und einen Output.
Das Plus Pedal verfügt zusätzlich dazu über einen „Clean Out“ verfügt, der das cleane Signal durchgehend sendet und genutzt werden kann, um einen Wet/Dry-Effekt mit zwei Amps zu erzeugen oder die Effektkette zu splitten.
In den FX-Loop des Plus Pedals lassen sich andere Effekte einbinden, die ausschließlich das Wet Signal bearbeiten.
Der „WET ONLY“ Modus mit dem zusätzlichen Fußschalter, ermöglicht es, das cleane Signal vollständig zu muten.
Nicht zuletzt lässt sich das Plus Pedal durch einen XLR-Adapter auch für die Bearbeitung von Gesangssignalen nutzen.

Der Sound

Das Plus Pedal sehr vielseitig ist und klingt dabei sehr natürlich, was es zum perfekten Begleiter für langsame/sphärische Sounds macht. Mit dem Sustain Regler können zusätzlich die Höhen reduziert werden, um einen natürlichen und akustischen Sound zu erzeugen.

Das Freeze hingegen besticht durch seine simple Handhabung und seine Dynamik, die vor allem durch die eher kurzen Attack-Zeiten entsteht. Es eignet sich daher vor allem für schnelle Wechsel. Der Klang bleibt dabei immer etwas synthetischer.

Letztlich hängt die Entscheidung für eines der beiden Pedale letztlich davon ab, was man damit machen und inwiefern man sich auf ein Knob-Twiddling einlassen möchte.

Ich finde jedes der beiden Pedale für seinen Bereich sehr gelungen und hoffe, dass dieser Text oder dieses Video eine Entscheidungshilfe für experimentierfreudige Sound-Freaks sein kann.

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