Power Scaling

Marshall JCM900Einen guten, verzerrten Amp Sound in erträglicher Lautstärke zu bekommen, ist meist sehr schwierig.
Es gibt die Möglichkeit ein Master Volume einzubauen – dann erhält man jedoch lediglich eine Verzerrung aus der Vorstufe, nicht jedoch aus der Endstufe.
Diese klingt dann eher nach Distortion und hat mit dem geliebten Power Amp Overdrive nichts zu tun.
Eine andere Möglichkeit ist ein Attenuator – aber auch der kann den Klang und die Dynamik negativ beeinflussen.

Power Scaling

Daher möchte ich hier das Power Scaling vorstellen.
Um es ganz vereinfacht darzustellen, justiert man hierbei mit einem Poti die Spannung an den Röhren.
Viele denken hier sofort an Eddie Van Halen, der seinen Marshall mit Hilfe eines Variac in der Leistung reduzierte und dadurch den legendären „Brown Sound“ erzeugte.
Der Unterschied ist jedoch, dass beim Power Scaling die Röhrenheizung nicht reduziert wird und dadurch der Röhrenverschleiß – anders als bei Van Halen – nicht so groß ist.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten des Power Scaling.
Alle müssen jedoch von einem Fachmann installiert werden, da im Inneren eines Amps hohe Spannungen anliegen und die kann für den Laien lebensgefährlich sein.

Variac

Wenn man den gesamten Amp mittels Power Scaling in seiner Leistung reduziert, erhält man klanglich den „Variac“ oder „Brown Sound“ Effekt.
Der Ton wird etwas dunkler und weicher.
Dies verändert auch das Spielgefühl, da der Amp beim Anschlag der Gitarrensaite etwas einsackt. Der Obwohl der Ton etwas an Definition verliert, kann dieser „Sag“ Effekt für bestimmte Musikstile genau richtig sein.

Power Amp Scaling

Ich bevorzuge lediglich das Power Scaling der Endstufe (und, falls vorhanden, des Phase Inverters). Hierdurch behält der Amp seinen Charakter und die Endstufe lässt sich sehr gut in ihre Sättigung treiben.
Bei dieser Methode kann es sinnvoll sein, trotzdem ein Master Volume einzubauen, da die Vorstufe weiterhin die höhere Spannung erhält und daher bei Vollauslastung die Endstufe zu stark übersteuern kann.
Mit Hilfe des Master Volume (das in diesem Fall zunächst voll aufgedreht sein darf und dadurch aus dem Signalweg genommen wird) kann man dann langsam die Lautstärke runterregeln, bis man den gewünschten Zerrsound des Amps erreicht hat.

Einige Amps werden mittlerweile bereits ab Werk mit einem Power Scaling ausgestattet.
Es gibt online aber auch unterschiedliche Kits zum nachträglichen Einbauen.
Diese sind sowohl von London Power Scaling als auch von unterschiedlichen Lizenznehmern erhältlich und auch günstigere Varianten kann man hier finden.

Aber wie gesagt: Im Amp sollte nur arbeiten, wer sich mit der Materie auskennt, da es sonst lebensgefährlich ist!

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