Das Sonicake BBD Wonder ist ein echtes, analoges Bucket Brigade Delay, das auf auf vier MN3005 BBDs basiert. Es ist unglaublich preiswert und machte mich sofort neugierig. Dementsprechend habe ich es auf Herz und Nieren oder aber auf Chips und Sounds getestet.
Bereits optisch macht das BBD Wonder klar, in welche Zeit es den Nutzer beamen will: in die späten 70er oder frühen 80er-Jahre. Das Pedal ist sehr robust verarbeitet und nicht nur der Umstand, dass alle Anschlüsse platzsparend an der Stirnseite verbaut sind, macht es sehr Pedalboard-freundlich.
Das Signal kann in Wet und Dry aufgeteilt werden und die Delay-Zeit lässt sich, für klangliche Experimente per Expression Pedal steuern.

Sowohl die Bedienelemente als auch der Sound erinnern mich stark an einen Deluxe Memory Man. Die Big Box-Version des legendären Deluxe Memory Man wurde, insbesondere, wenn sie über vier Sockel mit MN3008 BBDs verfügte, gerne mit vier MN3005 BBDs modifiziert. Dadurch bekam man die doppelte Delay-Zeit und ich persönlich liebe meinen so modifizierten DMM.
Auch der Chorus/Vibrato-Schalter, der Dry-Output und der Level Boost lassen eine Anlehnung an das Grundkonzept des DMM erkennen. Die Tap Tempo-Option würde sich so mancher Besitzer eines Deluxe Memory Man hingegen sicher auch wünschen. Beim BBD Wonder bekommt man sie und einen Eingang für ein Expression-Pedal gleich noch dazu. Letzterer ist sehr komfortabel, denn durch das Expression-Pedal muss man die Delay- Zeit nicht mehr mit der Hand nachregeln.
Die Potis, Schalter und Taster des BBD Wonder
Das BBD Wonder ist mit einem True Bypass versehen, der per leichtgängigen und knackfreiem Taster aktiviert wird. Die Potis haben einen angenehmen Regelwiderstand.
Dreht man den Time-Regler ganz auf, erhält man 1200ms Delay Zeit. Hier mischt sich ganz klassisch etwas Rauschen in das Signal. Dieser analoge Sound hat eine wunderbare Wärme und klingt sehr organisch.
Je kürzer man die Delay-Zeit einstellt, um so rauschärmer wird das Signal. Das ist bei analogen Delays so üblich und es macht den Charakter des Pedals aus.

Die Repeats sind klanglich sehr gut abgestimmt. Die Bässe und Höhen werden mit jeder Wiederholung ganz leicht gekappt. Auch das erinnert mich ebenfalls sehr an den hell klingenden Sound des Electro Harmonix Deluxe Memory Man.
Wie bei dieser Legende kann das Eingangssignal mit dem Level-Regler geboostet werden. Dadurch bekommt man bei aktiviertem Pedal einen schönen Volumeboost, der sich im Gesamtmix gut durchsetzt. Ich mag es sehr, wenn das Delay-Pedal eine Boost-Möglichkeit hat.
Mit dem Mix-Regler kann dann das Delay-Signal in der Lautstärke angepasst werden. Es ist also auch möglich, die Delays lauter einzustellen als das originale Signal und den Gesamt-Sound trotzdem zu boosten. So vermeidet man einen Lautstärkeabfall.
Oszillation
Mit dem Feedback-Poti lassen sich von einem einzelnen Repeat bis zu tollen Oszillationen alle Zwischenstellungen perfekt abstimmen. Ab der 14 Uhr-Stellung gelangt man langsam in die Oszillation.

Die Oszillation macht bei diesem analogen Pedal richtig Spaß. Wenn man mit Feedback und Time etwas rumspielt, kann man eine Wall of Sound aufbauen. Ich persönlich liebe es, wenn das Feedback kurz vor der Oszillation eingestellt ist und die ausklingenden Töne einen Teppich unter den neuen Tönen bilden. Mit dem Mix regele ich diese ganz leicht zurück, damit sie sich nicht überdecken. Das ergibt eine tolle Fläche.
Per Time-Poti oder Tap Tempo kann die Delay-Zeit eingestellt werden. Für das Tap Tempo gibt es praktischerweise noch die Möglichkeit Viertel, punktierte Achtel oder viertel Triolen anzuwählen. Dadurch kann man die gewünschten Subdivisions einfacher eintappen.
Modulation
Mit dem Tap Taster kann auch die Modulation aktiviert werden. Diese lässt sich zwischen Chorus und Vibrato per Schalter umstellen. Die voreingestellten Geschwindigkeiten sind optimal abgestimmt und mit dem Mod Depth-Poti kann man die Intensität regeln.
Das analoge Pedal ist natürlich auch perfekt als reines Modulationspedal geeignet. Mit der kürzesten Delay-Zeit und weiter aufgedrehtem Depth-Poti lassen sich wunderbare Chorus- und Vibrato-Effekte erzeugen. Dreht man das Feedback weiter auf, gelangt man in Flanger-artige Effektgefilde. Auch diese reichen bis zur Oszillation.

Bei schnelleren Delay-Zeiten kann das Depth-Poti ruhig etwas weiter aufgedreht werden, um schwebende und wabernde Töne zu erzeugen. Bei längeren Delay-Zeiten würde ich die Depth etwas dezenter einstellen, damit die Modulation nicht zu stark wird.
Fazit
Mit dem Sonicake BBD Wonder bekommt man ein richtig gut klingendes, analoges Delay mit legendären MN3005 BBDs für aktuell 116,10 Euro. Die Boost-Möglichkeiten im Stil des legendären Electro Harmonix Deluxe Memory Man, Tap Tempo und einer wunderbaren Chorus/Vibrato-Modulation kann man wirklich nichts falsch machen.
Das BBD Wonder trägt die Gene eines DMM in sich, verfügt aber über eine längere Delay-Zeit, einen Expression-Pedal-Eingang, Tap Tempo, aktivierbare Modulation und ist zudem noch um einiges Pedalboard-freundlicher, als das gute alte Big Box Pedal. Ein wirklich gelungenes Delay.

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