Die ersten Tape-Delay-Emulationen

Schon lange gelten die Delay-Sounds eines guten Tape-Delays als ideale Delays für eine Gitarre.
Sie sind wärmer und voller als ein Digital-Delay, aber nicht so verwaschen und dumpf wie ein analoges Delay. Leider sind Tape-Delays pflegeintensiv, groß, schwer und teuer.
Es verwundert also nicht, dass mehrere Hersteller versucht haben, den Sound eines Tape-Delays mit Hilfe einer digitalen Emulation zu erzeugen.

Hier möchte ich ein paar Veteranen aus der Anfangszeit der digitalen Tape-Delay-Emulation vorstellen, die leider oft vergessen oder übersehen werden.

Akai Headrush

Das Akai Headrush ist vielseitiger, als es auf den ersten Blick erscheint.
Es hat, neben dem Tape-Delay-Sound noch ein Digital-Delay und einen integrierten Looper mit 35 Sekunden Aufnahmezeit.

Neben den üblichen Reglern für Delay-Volume, Repeats und Delay-Zeit hat es noch einen Tone-Regler, der die Wiederholungen bedämpft.
Allerdings sollte man bedenken, dass ein echtes Tape-Delay sich gerade dadurch hervorhebt, dass es das gespielte Signal fast ohne klangliche Veränderungen wiedergibt (es also nicht wie ein analoges Delay dumpfer macht).

Aber durch seine Gleichlaufschwankungen sorgt es für einen dreidimensionalen und lebendigen Sound. Dieser Aspekt wird oft bei Nachbildungen vergessen.
Der Ratio-Regler des Headrush ergänzt den Repeat-Regler, indem es bestimmt, in welchem Verhältnis die Wiederholungen leiser werden.

In Verbindung mit dem “Head Gap”-Regler, der den virtuellen Abstand zwischen den Wiedergabeköpfen des nachgebildeten Tape-Delays regelt, lassen sich auf diese Weise einzigartige, rhythmische Pattern erzeugen, die sonst nur von Multi-Head-Tape-Echos erzeugt werden können.

Der Klang des Headrush ist erstaunlich gut und als Alleinstellungsmerkmal hat es vier zusätzliche Ausgänge, mit denen jeder virtuelle Wiedergabekopf separat abgegriffen werden kann.
Dies ist insbesondere bei einem Multi-Amp Setup interessant, oder für Aufnahmen, die besonders räumlich klingen sollen.

Das Pedal ist leider nur noch gebracht zu bekommen.
Der bekannteste Nutzer dieses Pedals wird wohl für immer Johnny Greenwood von Radiohead bleiben.

Ibanez DE7

Ein weiterer Liebling ist das Ibanez DE7, das in seinem kastenartigen, grauen Gehäuse erstmal sehr futuristisch und plump daherkommt.
Dieses simpel aufgebaute Pedal verfügt nur über Regler für die Delay-Zeit, Repeats und Delay-Volume.
Ein Schalter ermöglicht die Wahl zwischen dem klareren Delay und dem Echo.
Eine Modulation sucht man leider vergeblich. Auch über eine Tap Tempo Funktion verfügt es leider nicht.

Aber: den ganz speziellen Sound, den das Pedal erzeugt, kann es perfekt!
Im Echo-Modus wird das digitale Signal durch einen analogen Filter geschickt, der sowohl die Bässe, als auch die Höhen bearbeitet und dem Signal mit Hilfe eines JRC4558 etwas analogen “Schmutz” hinzufügt.

Genau wie ein echtes Tape-Delay setzt sich der Sound des DE7 perfekt durch und ergänzt den Gitarrensound.
Den einzigartigen Klang des DE7 konnte ich bisher noch mit keinem anderen Digital-Delay nachbilden – egal wie viele Einstellmöglichkeiten es hatte.

Leider wird das Ibanez DE7 nicht mehr hergestellt, aber gebraucht kostet es meist nicht viel.
Als Hörbeispiel kann ich die Band Dredg empfehlen.

Line6 Echo Park

Wenn es einen Preis für das hässlichste Effektpedal gäbe, würde ich definitiv das Line6 Echo Park nominieren.
Ganz ehrlich: Es sieht aus, wie ein Transformer.

Dafür bietet es einige Funktionen, die wirklich spannend sind.
Die Tape-Echo-Emulation verfügt über Stereo In- und Output, Tap Tempo, Regler für Time, Mix und Repeats, eine Modulation, Trails und einen Wahlschalter für Tape-, Digital- oder Analog-Delay. Zusätzlich kann mit einem Regler zwischen unterschiedlichen Ratios für die Tap Funktion gewählt werden, es gibt die Option für Swell, Ducking, Reverse und Ping-Pong-Delay und es können zwei unterschiedliche Multi-Head-Funktionen gewählt werden.

Der „Transformer“ hat also für sein kleines Gehäuse einiges zu bieten.
Die Tape-Funktion, auf die ich mich hier konzentrieren möchte, ist wirklich gelungen.

Die Repeats sind perkussiv und im Ausklang fügt das Pedal etwas Schmutz hinzu.
Besonders interessant ist die Modulation. Anders als bei vielen anderen Pedalen, die als Modulation eigentlich nur einen Chorus/Vibrato Effekt hinzufügen, erzeugt der Echo Park hier Wow und Flutter – also ein zufälliges virtuelles Rutschen des Tapes. Dies wird mit lediglich einem Regler in der Intensität geregelt und kann bis hin zu leichten Pitch Shifting-Effekten reichen. So klingt es sehr musikalisch und wird wie gesagt zufällig erzeugt. Und das macht es sehr natürlich.

Der Algorithmus ist sehr viel komplexer und klanglich interessanter als die Tape-Emulation seines großen, grünen Bruders – dem Line6 DL4.

Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass frühere Line6-Mitarbeiter später Strymon gegründet haben, sondern auch wegen seiner sehr gelungenen Modulation möchte ich hier behaupten, dass das Line6 Echo Park als “kleiner Bruder” des Strymon El Capistan bezeichnet werden kann.

Leider wird dieses Pedal ebenfalls nicht mehr hergestellt, aber es kann gebraucht oft günstig erworben werden. Ein Ausprobieren lohnt sich.

Boss RE-20

Das Boss RE-20 ist nicht ohne Grund das Pedal aus der Twin Serie, das immer noch produziert wird. Es emuliert ein ganz spezielles Tape-Echo: das Roland RE-201.
Das RE-20 basiert daher auf einem Transistor-Tape-Echo und bildet mit einen Funktionen speziell dieses eine Gerät nach.

Es klingt sehr viel cleaner als viele andere Tape-Delay (oder Tape-Delay-Nachbildungen) und in einigen Einstellungen kann es fast chorus-ähnliche Sounds erzeugen.

Aber wer den Sound eines RE-201 sucht, kommt an diesem Pedal wohl nicht vorbei. Klanglich ist es eine sehr gelungene Nachbildung des sehr markant klingenden Originals.
Ich habe jüngst ein Boss RE-20 auf dem Pedalboard von Tiger Lou gesehen.

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